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Mitlöhner: Papst-Enzyklika mahnt zur Menschlichkeit im KI-Zeitalter

Journalist und Theologe: Magnifica humanitas ein "erfrischendes Wort auf Höhe der Zeit", eher Sozial- statt KI-Enzyklika

 

Wien, 01.07.2026 (KAP) Die neue Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV. ist am Dienstag im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung des Karl Kummer Instituts und der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände in Wien gestanden. Der Journalist und Theologe Rudolf Mitlöhner betonte dabei, dass es sich "nicht primär um eine KI-Enzyklika, sondern um eine Sozialenzyklika" in der Tradition der großen Sozialenzykliken seit "Rerum novarum" von Papst Leo XIII. handle. Sie frage nach den "res novae" - also neuen Entwicklungen - der Gegenwart. Dazu zählten insbesondere Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Robotik, welche die Welt tiefgreifend veränderten. Papst Leo XIV. zeige die zentrale Aufgabe der Kirche, "das Humanum" und die Menschlichkeit im KI-Zeitalter zu bewahren.

Positiv bewertete Mitlöhner, dass die Enzyklika frei von Kulturpessimismus sei. Papst Leo XIV. würdige ausdrücklich den technischen Fortschritt, der wesentlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen beigetragen habe. Zugleich mache das Schreiben auf die Ambivalenz jeder technologischen Entwicklung aufmerksam. Innovationen könnten gleichermaßen zum Segen wie zum Fluch werden. Klar bleibe freilich: KI-Systeme "machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet", zitierte Mitlöhner aus der Enzyklika.

Kritisch merkte Mitlöhner an, dass in der Enzyklika stellenweise ein gewisses Misstrauen gegenüber privatem und unternehmerischem Handeln im Vergleich zu staatlichem Handeln spürbar sei. "Als wäre Letzteres per se frei von Interessen und einzig dem Gemeinwohl verpflichtet, als wäre Ersteres prinzipiell verdächtig und daher dringend regulierungsbedürftig." Er verwies dabei auf den belgischen katholischen Philosophen David Engels, der die eigentliche Aufgabe der Kirche darin sehe, den Menschen daran zu erinnern, "was er eigentlich ist", und gegebenenfalls auch ein klares "Nein" zu bestimmten Entwicklungen auszusprechen. Insgesamt bezeichnete Mitlöhner Magnifica humanitas jedoch als "ein erfrischend positives Wort der katholischen Kirche auf der Höhe der Zeit".

Wie der Obmann des Karl Kummer Instituts, Matthias Tschirf, zum Abschluss der Veranstaltung erklärte, wollen sich das Institut und die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände in den kommenden Monaten intensiv mit der Enzyklika als - wie es Mitlöhner ausdrückt - "Orientierungsmöglichkeit für Politiker, Entscheidungsträger und Nutzer" befassen.

Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände ist Dachverband von 15 katholischen Verbänden und beschäftigt sich mit gesellschaftspolitischen Fragen aus Sicht der katholischen Kirche. Das Karl Kummer Institut widmet sich wirtschafts- und sozialpolitischen Themen und befasste sich unter anderem 2023 und 2024 gemeinsam mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) mit Künstlicher Intelligenz und deren Bedeutung für Staat und öffentliche Verwaltung.

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Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände Österreichs (AKV) ist der freiwillige Zusammenschluss von 15 katholischen Laienorganisationen aus ganz Österreich, darunter der Cartellverband, die Sportunion, der Mittelschüler-Kartell-Verband und die Christliche Lehrerschaft. Sie wurde am 27. April 1954 im Niederösterreichischen Landhaus in Wien gegründet. Die AKV organisiert sich eigenverantwortlich, ist wirtschaftlich selbstständig und formell von den Strukturen der Kirche unabhängig.

 

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